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Sehnsucht ist nach dem Grimm’schen Wörterbuch „ein hoher Grad eines heftigen und oft schmerzlichen Verlangens nach etwas, besonders wenn man keine Hoffnung hat, das Verlangte zu erlangen, oder wenn die Erlangung ungewiss, noch entfernt ist.“ (Grimm & Grimm, 1854/1984).
Dieses ambivalente Gefühl der Sehnsucht knüpft sich auch heute noch teils an romantische Vorstellungen, denen zugleich ein Leidensbezug innewohnt.

Aus der Jetztzeit hinaus widmet sich das Künstlerkollektiv hb lankowitz (Brigitta Reuter und Hubert Hasler) in der aktuellen Ausstellung dem Motiv der Sehnsucht. Ihre fotografischen Untersuchungen verwehren sich jedoch jeglicher verklärenden Romantik. Sie eröffnen vielmehr Blicke auf „Endstationen“ der Sehnsucht, auf periphere Orte und Zustände unserer Gesellschaft, die Spiegel gescheiteter Wünsche sind. Dabei entsagen sie sich eines reinen Dokumentarismus, gehen über das Erkennen hinaus und eröffnen subjektive Sichten.

Die Serie „Lampedusa“ (2011), für die die Künstler auf die italienische Insel zwischen Tunesien und Sizilien reisten, transportiert Verweise auf Sehnsüchte von Flüchtlingen aus Afrika und thematisiert zugleich europäisches Streben nach Abschottung. Auf der Flucht vor Krieg und Armut gilt das italienische „Lampedusa“ für viele Menschen, die über das Wasser kommen, als eine Insel der Hoffnung und als Tor nach Europa. In Realität gleicht sie jedoch vielmehr einer Festung: steile Klippen, überfüllte Auffanglager, eine Atmosphäre der Ablehnung und die drohende Abschiebung bestimmen das Leben der Flüchtlinge auf der Insel. Die Künstler zeigen diese Realität nicht explizit, sondern fixieren vielmehr Spuren gescheiterter Sehnsüchte. Sie zeigen beispielsweise einen Schiffsfriedhof, auf dem sich Wracks der Flüchtlingsboote türmen und zu einer Erinnerungsskulptur, zu einem unbeabsichtigten Denkmal angewachsen sind.

Ähnliche erscheinen auch die „Burgen Transit-Behausungen“ (2010) wie temporäre Skulpturen aus Steinen und Strandgut. Sie entpuppen sich jedoch als Behausungen, in denen Flüchtlinge leben. In den scheinbaren Provisorien tauchen Verweise auf bleibende Architektur auf, Fensterkreuze und Zäune erzählen von einem Transit, einer Situation, die als Übergang gedacht war, jedoch schon lange anzuhalten scheint. Abgründe europäischer Flüchtlingspolitik entlarven auch die Bilder der Saualm, eine „Sonderbetreuungsanstalt für mutmaßlich kriminelle Asylbewerber“ in Österreich. Auf einem sanften Almrücken, in völliger Abgeschiedenheit werden Asylbewerber, die kleinerer Strafdelikte beschuldigt wurden, unter widrigen Bedingungen untergebracht. Die Saualm gilt als Sinnbild für den problematischen Umgang der Österreichischen Regierung mit Asylbewerbern. In einsamer Bergidylle und romantisch anmutender Landschaft werden die Missstände und Teile unserer Gesellschaft den Blicken der Allgemeinheit entzogen.

Diese fotografische Spurensuche an den Abgründen europäischer Flüchtlingspolitik und gescheiterter Sehnsüchte, brechen die Künstler in der Ausstellung durch subjektive, teils expressive Arbeiten, wie beispielsweise einer Porträtserie, in der sich die abgebildeten Personen aufzulösen scheinen. Das Abgebildete, der Mensch, befindet sich in einem Schwebezustand zwischen Konstruktion und Dekonstruktion, das Porträt als Genre, in dem sich auch die Sehnsucht nach Identität transportiert, befindet sich in völliger Auflösung.

Die Serie „Tränen“ dringt leiser in individuelle Bereiche ein: Stofftaschentücher, intimes, nur noch selten genutztes Relikt einer Vergangenheit und Verweis auf Abschied und Tränen, öffnet beim Betrachten eine persönliche Erinnerungswelt. Es ist eine zerbrechliche Welt, deren Intimität ein wenig an die zuvor beschriebenen „Burgen Transit-Behausungen“ erinnert.

Die Zerbrechlichkeit der Sehnsüchte inszenieren die Künstler zusätzlich durch die Präsentation ihrer Arbeiten, gerahmt, jedoch ohne Glas. Das Bild rückt näher an den Betrachter heran. Es gewinnt durch die Nähe an Stärke und wird zugleich Verletzlichkeit und der Ausstellungsgang wird zu einer ambivalenten Erfahrung, ähnlich des ambivalenten Gefühls der Sehnsucht.
Greta Hoheisel







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Sehnsucht ist nach dem Grimm’schen Wörterbuch „ein hoher Grad eines heftigen und oft schmerzlichen Verlangens nach etwas, besonders wenn man keine Hoffnung hat, das Verlangte zu erlangen, oder wenn die Erlangung ungewiss, noch entfernt ist.“ (Grimm & Grimm, 1854/1984).
Dieses ambivalente Gefühl der Sehnsucht knüpft sich auch heute noch teils an romantische Vorstellungen, denen zugleich ein Leidensbezug innewohnt.

Aus der Jetztzeit hinaus widmet sich das Künstlerkollektiv hb lankowitz (Brigitta Reuter und Hubert Hasler) in der aktuellen Ausstellung dem Motiv der Sehnsucht. Ihre fotografischen Untersuchungen verwehren sich jedoch jeglicher verklärenden Romantik. Sie eröffnen vielmehr Blicke auf „Endstationen“ der Sehnsucht, auf periphere Orte und Zustände unserer Gesellschaft, die Spiegel gescheiteter Wünsche sind. Dabei entsagen sie sich eines reinen Dokumentarismus, gehen über das Erkennen hinaus und eröffnen subjektive Sichten.

Die Serie „Lampedusa“ (2011), für die die Künstler auf die italienische Insel zwischen Tunesien und Sizilien reisten, transportiert Verweise auf Sehnsüchte von Flüchtlingen aus Afrika und thematisiert zugleich europäisches Streben nach Abschottung. Auf der Flucht vor Krieg und Armut gilt das italienische „Lampedusa“ für viele Menschen, die über das Wasser kommen, als eine Insel der Hoffnung und als Tor nach Europa. In Realität gleicht sie jedoch vielmehr einer Festung: steile Klippen, überfüllte Auffanglager, eine Atmosphäre der Ablehnung und die drohende Abschiebung bestimmen das Leben der Flüchtlinge auf der Insel. Die Künstler zeigen diese Realität nicht explizit, sondern fixieren vielmehr Spuren gescheiterter Sehnsüchte. Sie zeigen beispielsweise einen Schiffsfriedhof, auf dem sich Wracks der Flüchtlingsboote türmen und zu einer Erinnerungsskulptur, zu einem unbeabsichtigten Denkmal angewachsen sind.

Ähnliche erscheinen auch die „Burgen Transit-Behausungen“ (2010) wie temporäre Skulpturen aus Steinen und Strandgut. Sie entpuppen sich jedoch als Behausungen, in denen Flüchtlinge leben. In den scheinbaren Provisorien tauchen Verweise auf bleibende Architektur auf, Fensterkreuze und Zäune erzählen von einem Transit, einer Situation, die als Übergang gedacht war, jedoch schon lange anzuhalten scheint. Abgründe europäischer Flüchtlingspolitik entlarven auch die Bilder der Saualm, eine „Sonderbetreuungsanstalt für mutmaßlich kriminelle Asylbewerber“ in Österreich. Auf einem sanften Almrücken, in völliger Abgeschiedenheit werden Asylbewerber, die kleinerer Strafdelikte beschuldigt wurden, unter widrigen Bedingungen untergebracht. Die Saualm gilt als Sinnbild für den problematischen Umgang der Österreichischen Regierung mit Asylbewerbern. In einsamer Bergidylle und romantisch anmutender Landschaft werden die Missstände und Teile unserer Gesellschaft den Blicken der Allgemeinheit entzogen.

Diese fotografische Spurensuche an den Abgründen europäischer Flüchtlingspolitik und gescheiterter Sehnsüchte, brechen die Künstler in der Ausstellung durch subjektive, teils expressive Arbeiten, wie beispielsweise einer Porträtserie, in der sich die abgebildeten Personen aufzulösen scheinen. Das Abgebildete, der Mensch, befindet sich in einem Schwebezustand zwischen Konstruktion und Dekonstruktion, das Porträt als Genre, in dem sich auch die Sehnsucht nach Identität transportiert, befindet sich in völliger Auflösung.

Die Serie „Tränen“ dringt leiser in individuelle Bereiche ein: Stofftaschentücher, intimes, nur noch selten genutztes Relikt einer Vergangenheit und Verweis auf Abschied und Tränen, öffnet beim Betrachten eine persönliche Erinnerungswelt. Es ist eine zerbrechliche Welt, deren Intimität ein wenig an die zuvor beschriebenen „Burgen Transit-Behausungen“ erinnert.

Die Zerbrechlichkeit der Sehnsüchte inszenieren die Künstler zusätzlich durch die Präsentation ihrer Arbeiten, gerahmt, jedoch ohne Glas. Das Bild rückt näher an den Betrachter heran. Es gewinnt durch die Nähe an Stärke und wird zugleich Verletzlichkeit und der Ausstellungsgang wird zu einer ambivalenten Erfahrung, ähnlich des ambivalenten Gefühls der Sehnsucht.
Greta Hoheisel





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hb lankowitz »Endstation Sehnsucht«

Vernissage:
Freitag, 07. Juni 2013 um 18:00 Uhr
Ausstellung:
Sa, 08. Juni 2013 bis Sa, 29. Juni 2013
Ausstellungsort:
KUNSTDEPOT | Wilhelm-Riehl-Str. 13 | 80687 München


>> Flyer als PDF DOWNLOAD

Einführung: Greta Hoheisel, 19:00 Uhr
Performance: Ana Hoffner, "Wissensdramatisierung"
Sprechstück, 19:15 Uhr

Zusätzliche Veranstaltung in der Galerie:
Künstlergespräch: 27.6.2013, 19:00 bis 20:00 Uhr


Für die Vernissage und für das Künstlergespräch bitten wir aus organisatorischen Gründen um Anmeldung bis zum 27. Juni 2013, 14 Uhr.
per Tel: 089-25544477 / per Fax: 089-25544476 oder
per E-Mail auf unserer Kontaktseite.

»Endstation Sehnsucht«
Sehnsucht ist nach dem Grimm’schen Wörterbuch „ein hoher Grad eines heftigen und oft schmerzlichen Verlangens nach etwas, besonders wenn man keine Hoffnung hat, das Verlangte zu erlangen, oder wenn die Erlangung ungewiss, noch entfernt ist.“ (Grimm & Grimm, 1854/1984). Dieses ambivalente Gefühl der Sehnsucht knüpft sich auch heute noch teils an romantische Vorstellungen, denen zugleich ein Leidensbezug innewohnt.

Aus der Jetztzeit hinaus widmet sich das Künstlerkollektiv hb lankowitz (Brigitta Reuter und Hubert Hasler) in der aktuellen Ausstellung dem Motiv der Sehnsucht. Ihre fotografischen Untersuchungen verwehren sich jedoch jeglicher verklärenden Romantik. Sie eröffnen vielmehr Blicke auf „Endstationen“ der Sehnsucht, auf periphere Orte und Zustände unserer Gesellschaft, die Spiegel gescheiteter Wünsche sind. Dabei entsagen sie sich eines reinen Dokumentarismus, gehen über das Erkennen hinaus und eröffnen subjektive Sichten.
Greta Hoheisel