picture
You can check out any time you
picture
o.T., 2013 - Öl auf Leinwand
picture
o.T., 2012 - Öl auf Leinwand
picture
o.T., 2012 - Öl auf Leinwand
Kurzbiografie
1980

geboren in Rendsburg


2007-2009

Studium an der Bergischen Universität Wuppertal in Kunst und Gestaltungstechnik


seit 2009

Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Eberhard Havekost



Ausstellungen / Auswahl
2013

"An Tagen wie diesen", Galerie Filser & Gräf, München


2009

"round about dijaki", Galerie Blickfang, Wuppertal


2011

"neurologische Unreife", Galerie Gebr. Lehmann, Dresden




PDF zum Download
Hier erhalten Sie die komplette Vita als PDF zum Download.
Wenn Sie eine E-Mail Adresse eingeben, wird das PDF direkt dorthin gesendet.
E-Mail (Leer lassen um das PDF direkt zu laden)

Unser Blick fällt aus einem efeuberankten Fenster auf eine nahe Hauswand. Ein defektes Abwasserohr bildet eine vertikale Achse, die vier angeschnittenen Fenster in den Ecken der Leinwand werden zum Teil vom Efeu im Bildvordergrund überlagert. Die kompositorische Struktur der geometrischen Architekturelemente steht gegen das organisch Gewachsene des Efeus. Obwohl der Fensterrahmen nicht direkt sichtbar ist, suggeriert der Ausschnitt den Blick in einen Hinterhof. Durch die Dysfunktionalität des Wasserrohrs, den schlichten Pragmatismus der Fenster, die schmutzige Fassade und beklemmende Nähe der gegenüberliegenden Wand entsteht ein Gefühl der Trostlosigkeit.

Diesem wird vordergründig durch den Efeu entgegengewirkt, denn der Efeu suggeriert idyllische Natur und vergangene Zeit. In unserer Wahrnehmung wächst Efeu hauptsächlich an Hausfassaden. Der Efeu ist also in gewisser Weise Architekturelement. Die Blätter sind pastos in einem tiefen Grünton vor allem auf der linken Bildhälfte aufgespachtelt. Die plastische Oberfläche schafft die – gefühlte, gewollte - Distanz zu der Hauswand, die in Realität nicht da ist.

In einem parallelen Prozess entstand die achtteilige Serie, zu der das Bild gehört, zwischen 2011-2012 und zeigt in unterschiedlichen Formaten den Blick aus dem Atelierfenster der Künstlerin. Wir sehen verschiedene Jahreszeiten und leicht variierende kompositorische Schwerpunksetzungen. Zentral ist stets das Moment des Ausschnitthaften, des Beschränkten. Dies wird im Fenstermotiv deutlich, aber auch in der relativen Nähe, also Enge, der gegenüberliegenden Wand. Dabei wird gar kein Versuch unternommen, den Ausschnitt zu erweitern, im Gegenteil, eine weitere Begrenzung ist durch den Efeu auszumachen.

Durch das Fenstermotiv wird eine lange kunsthistorische Assoziationskette ausgelöst. Die auf möglichst genaue mimetische Abbildung angelegte Malerei vergangener Epochen hat das Fenstermotiv als Metapher für den Blick in eine andere Welt etabliert. In der Romantik hat C.D. Friedrich das Fenster zum Sehnsuchtsmotiv gemacht. Bei Henri Matisse hat es die Funktion der Schwelle zwischen Innerem und Äußerem, zwischen dem, was wir kennen und dem ungeschützten Außen. Edward Hopper thematisiert in seinen aus Fenster blickenden Figuren Einsamkeit und Leere. Jacqueline Hess reflektiert diese Vorlagen in unterschiedlicher Weise. Der Blick fällt nicht mehr scheinbar in eine andere Welt, sondern ist durch die strenge Komposition und das Nebeneinander von geometrischen und organischen Elementen so stark ästhetisiert, dass der Rückbezug zur Realität zwar gewährleistet bleibt, das Formale jedoch überwiegt.

Auch taugt das Fenster nicht mehr als Sehnsuchtsmotiv, da es keinen Blick in die Ferne eröffnet, im Gegenteil, der Blick des Betrachters bleibt jäh an der gegenüberliegenden Wand hängen. Die Funktion des Fensters als Schwelle zwischen Privatem und Öffentlichem wird durch die angeschnittenen Fenster auf der anderen Seite noch verstärkt – uns wird der Blick in das Private des Anderen durch Vorhang oder Spiegelung verwehrt. Nicht zuletzt dadurch entsteht das latente Gefühl der Leere, welches die Serie kennzeichnet.

Der Titel, Zitat aus „Hotel California“, dem berühmten Song der Eagles, verweist erneut auf das architektonische Moment. Darüber hinaus dient das Hotel dem Reisenden als kurzeitige Heimat, aber auch als behelfsmäßige Zwischenstation. Hier wird die Ambivalenz des Bildes – und der ganzen Serie widergespiegelt. Die scheinbar erlösende Aussage, jederzeit „auschecken“ zu können, wird durch den pokulturellen Subtext unterlaufen, im Song heißt es weiter: „but you can never leave“. Kein Entrinnen, eine Hausfassade, so scheint es, ist wie die nächste.
Dr. Philipp Horst
Portfolio als PDF zum Download
Hier erhalten Sie die komplette Vita und Texte sowie eine Auswahl an Bildern
in Ausschnitten (1 DinA4 Seite) als PDF zum Download.

Wenn Sie eine E-Mail Adresse eingeben, wird das PDF direkt dorthin gesendet.
E-Mail (Leer lassen um das PDF direkt zu laden)